Vorbereitung Gigathlon
Steckbrief:
Name: Bernhard Hug Adresse: Eichli, 6315 Oberägeri Alter: 34 Beruf: sportwiss. Mitarbeiter BASPO, Trainer Ruhepuls: 34 Grösster Erfolg: Gigathlon 2. (06) und 3. Rang (05), 3. Inferno Triathlon (03), 4. Raid Adventure WM (06) Stärke im Sport: Ausdauer und Erfahrung (Routine) Schwäche im Sport: Inline Lieblingsessen: egal, Hauptsache viel Motto: Race hard and feel great!
Wie
und wann bist du zum Triathlon gekommen?
Mit
16 weil ich Rückenprobleme hatte und mir neben dem Berglauf den ich damals
schon trainierte das Schwimmen als Ausgleich empfohlen wurde.
Du
willst den 7-Day Gigathlon alleine absolvieren. Was sind deine Ziele? Finishen
oder strebst du einen bestimmten Rang an?
Ich
strebe einen Podestplatz an aber das wichtigste ist wie immer gesund und ohne
Verletzungen durchzukommen!
Wie
muss man sich dein Training vorstellen? Trainierst du mehrmals täglich mit
Ruhepausen dazuwischen oder eher verschiedene Disziplinen am Stück?
Ich
trainiere wann immer es möglich ist mehrere Disziplinen am Stück und so kann es
gut an einem freien Tag mal ein 10 Std. „non-stop“ Training geben (manchmal
auch mehrere solche Tage nacheinander). Nach solchen Monster-Tagen steht dann
2-4 Tage lockeres Training und kurze Einheiten à 1-2 Std.im Vordergrund.
Welches
ist deine Lieblingsdispziplin?
Je
nach Verfassung Rad oder Laufen in den Bergen wobei ich mich bei 30 Grad plus
am wohlsten fühle!
Welches
deine „schwächste“ Disziplin? Ich trainiere alles gerne was mit Ausdauer zu tun
hat auch und so mache ich im Winter auch viel auf Schnee (Skitouren, Langlauf
etc). Im Sommer fahre ich auch Kajak.
Sind
die Intensitäten eher tief und die Einheiten lang oder wie sieht das aus?
Ab
und zu trainiere ich intensiv aber das kommt eher selten vor (1 mal pro Woche).
Sonst absolviere ich alle Trainings mit Puls 100-140 dh. locker (mein
Maximalpuls ist 172).
Welche
Beachtung schenkt man bei einem solchen Event der Ernährung? Was isst du am
Gigathlon? Was trinkst du? Wie hast du das ausprobiert?
Am
Gigathlon verbrennt man ca. 10'000 Kcal am Tag. Mit der Wettkampfernährung
(hauptsächlich in flüssiger Form) kann ich ca 5'000 Kcal zuführen. Dazu kommt
ein normales Frühstück und Z’nacht mit viel Kohlenhydraten. Ich ernähre mich
eigentlich ganz normal und so gehört zB. Auch ein Bier oder Glas Wein zum
Z’nacht. Zu viele Entbehrungen sind auch im Leistungssport nicht gut weil das
langfristig auf die Psyche schlägt und mit meinem Rezept mache ich nun schon
fast 20 Jahre Wettkampfsport und habe immer noch Freude daran.
Was
wird nach 3 bis 4 Tagen Belastung besonders schwierig? Was gilt es zu beachten?
Natürlich
tut einem bald mal alles ein bisschen weh, aber das gehört einfach dazu dh. man
muss es akzeptieren und darf dadurch keine unnötigen Energien verlieren! Man
muss sich auf das wesentliche konzentrieren und immer an sich und sein Ziel
glauben und dabei gibt es nur eine Regel: man gibt sein Bestes und jammert
nicht denn wir machen dies alle freiwillig!
Wer
unterstützt dich am Gigathlon? Wie viele Leute sind das? Wie organisierst du
den Ablauf?
Ich
habe ein super Team im Rücken. Insgesamt sind es 6 Leute wobei nicht immer alle
dabei sind. Die Aufgaben sind ganz klar zugeteilt so ist mein Schwager zB. fürs
Fahren und die Logistik zuständig, Meine Frau Daniela übernimmt die
Gesamtkoordination und den Ernährungsbereich. Mein Kollege Adi vom BASPO ist
der Begleiter auf den Laufstrecken und als erfahrener Ausdauerathlet wird er
mich auch coachen. Das Team wird von einem Mechaniker einer Physiotherapeutin
und einem Arzt kompletiert die jedoch nicht immer im Begleittross sein werden.
Brauchst
du ärztliche Betreuung am Event? Wie muss man sich das vorstellen?
Mein
Arzt wird nur in Notfällen etwas zu tun haben (schlimme Verletzungen etc). Es
ist jedoch für den Kopf sehr hilfreich wenn man einen erfahrenen Sportarzt (Dr.
Ch. Hoppe) mit immenser Erfahrung im Ultraausdauersport im Betreuerteam hat.
Am
letzten 7-days Gigathlon 2002 warst du super drin, hast dann am Schluss Mühe
bekommen? Was war passiert und was möchtest du dieses Jahr ändern? Besser
machen?
Ich
wurde im 02 nach 5 Tagen krank. Dh. ich bekam ein Lungenödem weil sich meine
Bronchien entzündet hatten. Da ich Leistungsasthma habe kann mir so etwas immer
wieder passieren und in extremen Wettkämpfen gibt immer zuerst das schwächste
Glied nach und das sind bei mir nie die Beine oder der Kopf sondern andere
Sachen die man kaumkontrollieren kann.
Warum
lässt du dich auf ein solches Abenteuer und vor allem auf eine solche
Schinderei ein? Was macht diesen Aufwand lohnenswert? Kannst du die Gefühle
dabei beschreiben?
Abenteuer
ja. Schinderei nein.
Ich
kenne fast kein schöneres Gefühl als mit dem eigenen Körper zu erfahren was man
alles erreichen kann wenn man sich ein grosses Ziel vornimmt. Wir Ausdauersportler
empfinden körperliche Anstrengung als etwas schönes und wenn ich dabei noch die
ganze Schweiz bereisen kann dann ist dies der Aufwand wert! Wenn man das Ganze
finanziell betrachtet ist es Irrsinn denn ich gebe im Jahr 20'000 für meinen
Sport aus und verdiene damit nichts. Aber der Lifestyle gefällt mir so sehr
dass es dieses Geld wert ist!
Du
hast schon x Langdistanzrennen verschiedenster Art absolviert. Bist du süchtig
danach? Wenn ja, was ist es, was süchtig macht?
Ich
glaube nicht dass es eine Sucht ist, sondern wie erwähnt der sportliche bzw.
der Outdoor-Lifestyle der mich fasziniert und weil ich gut bin in diesen langen
Ausdauer-Events ist es „menschlich“ dass ich mich mit anderen messen will.
Hast du Sponsoren? Bist du Profi? Wie sieht ein typischer Tag im Leben von Beni Hug aus?
Ich
habe Materialsponsoren die mir günstigeres Material (zB. Scott Bikes) abgeben
und die Sporternährung erhalte ich kostenlos von Sportvital. Finanziell werde
ich von ein paar Gönnern unterstützt; damit bezahle ich zB. die Übernachtungen
am Gigathlon. Da ich nicht Profi bin muss ich ganz normal arbeiten (70% Pensum)
und verwende hauptsächlich meine Freizeit und die Freitage fürs Training. |