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31.10.2008
Erlebnisbericht, Fabian Wihler am Ironman Hawaii 2008

Interview: Dirk Joosen

Fabian Ich möchte dir herzlich zu deinen tollen Erfolgen in Zürich und auf Hawaii gratulieren. Du wurdest 6. beim Ironman Zürich mit 9:21.04,2 und 27. beim Ironman Hawaii mit 9:42:30.

War die Quali in Zürich dein Ziel?

Ich wusste, was für eine Zeit nötig sein würde, um mich zu qualifizieren. Aufgrund meiner Erfahrungen vom vergangenen Jahr mit erfolgreichen Halb-Distanzen wusste ich auch, dass die Quali im Bereich des Möglichen war. Mein primäres Ziel aber war, ein vom Gefühl her super Rennen hinzulegen. Ich wollte mich auf meine eigene Leistung konzentrieren, alles andere würde sich dann ergeben. Und es ist tatsächlich aufgegangen!

Wie war deine Vorbereitung für Hawaii? Hast du dein Training anpassen müssen?

Nach Zürich machte ich erst drei Wochen Pause. Im August und September konnte ich dann nochmals ideal trainieren. Ich wollte das Schwimmen wieder mal etwas intensivieren, und vor allem lange Veloeinheiten absolvieren. Das ist mir gelungen, im Laufen wollte ich eigentlich noch etwas mehr machen, aber dafür reichte die Zeit nicht aus. Alles in allem war die Vorbereitung aber problemlos.

Wie waren die erste Eindrücke (Triathleten, Zuschauer, Helfer) auf Big Island?

Wir reisten eine Woche vor dem Rennen an. Als wir um 19 Uhr auf Big Island ankamen, war es leider schon dunkel. Dementsprechend war die enorme Wärme die erste Erfahrung auf Hawaii. Triathleten hatte es zwar auch schon, aber mir schien, dass es viel weniger waren als mir im Vorfeld erzählt wurde. Drei Tage vor dem Rennen sind wir dem Trainingsrummel bewusst etwas aus dem Weg gegangen, um mehr Ruhe zu haben. Die Volunteers waren auf jeden Fall schon in der Woche vor dem Rennen in Hochform!!

Was war das Erste was du gemacht hast, nachdem du dich eingerichtet hast im idyllischen Häuschen?

Wie gesagt, landeten wir am Freitag-Abend. Nach 24h Reise wollte ich eigentlich nur wieder mal etwas horizontal liegen. Am Samstag dann hiess es Velo zusammenschrauben, richtig ankommen, erstmals im Meer schwimmen, das Jacuzzi einweihen und ein erstes richtiges American-Style-Barbecue geniessen!

Fiel dir die Akklimatisierung war schwer?

Glücklicherweise war das Wetter in der Schweiz bis eine Woche vor unserem Abflug sehr gut, und so war der Unterschied zwar immer noch gross, aber eigentlich problemlos. Ich hatte erstaunlicherweise keine Mühe mit der Hitze, auch die Zeitumstellung verkraftete ich relativ schnell. Um jedoch dem Körper trotz gutem Gefühl genug Zeit zu geben, bestand das Training lediglich aus lockeren "Bewegungseinheiten". Ich glaube, es ist mir deshalb auch relativ gut gelaufen am Race-Day. Zu viele Athleten machen sich mit zu harten Trainings in der Wettkampfwoche kaputt. Da schauten wir lieber bei einem kühlen Lava-Java-Shake zu, wie sich die anderen müde trainierten... ;-)))))

Hast du Schwimmtrainings gemacht? Wie war das organisiert?

Ich war noch dreimal im Meer schwimmen, jeweils rund 30 Minuten. Es gab eine mehr oder weniger abgesperrte Schwimmzone, in der man problemlos schwimmen konnte. Das warme Wasser war herrlich, ich freute mich natürlich auch, ohne Neopren schwimmen zu müssen. Zudem gab es schon die ganze Woche vor dem Rennen sowohl bei der Schwimmstrecke wie auch auf Teilen der Laufstrecke Verpflegungsposten. Wirklich perfekt!

Wie sahen deine Laufvorbereitungen aus?

Laufen war noch einmal 30 Minuten am Sonntag vorher und rund 45 Minuten am Montag vorher. Ich hatte da schon ein gutes Gefühl und es machte Spass, an der Wärme und Sonne zu laufen!

Wie hast du die letzte Stunde vor dem Start erlebt?

Vor dem Start war ich sehr gelassen. Allgemein schien mir die Ambiance recht gemütlich, irgendwie waren alle locker drauf. Je näher der Start, desto mehr Emotionen, welche durch die Rituale der Einheimischen wie "Muschelhornen" und derart noch mehr wurden -- das Bewusstwerden, dass es ein spezieller Tag sein wird. Mit dem Startschuss war es dann jedoch vorbei mit Ruhe und Freude!!!

Wie war der erste Wechsel?

Ungefähr auf dem letzten Viertel der Schwimm-Strecke hatte ich einen guten Rhythmus. Ich hatte dann auch das Gefühl, relativ weit vorne aus dem Wasser zu kommen. Im Wechselzelt war noch nicht so viel Betrieb. Das änderte sich aber schnell -- viele, die nach mir ins Wechselzelt kamen, verliessen dieses jedoch deutlich vor mir. Naja, optimal waren die Wechsel sicher nicht -- aber diese sind ja zum Glück nicht ganz so entscheidend.

Wie war die Radfahrt und wie bist du mit der Wärme, der Sonne, dem Wind und den anderen Athleten fertig geworden?

Die ersten rund 40km hatten wir den Wind im Rücken -- ein gutes Gefühl! Dann setzte Seitenwind ein, vor und nach dem Wendepunkt in Hawaii war der Seitenwind recht grob, das Velo musste man wirklich extrem halten. Allerdings hätte ich lieber diesen Seitenwind behalten, als derartigen Gegenwind ab km 140. Da musste ich meinen Zeitplan praktisch alle 5 Meilen wieder über den Haufen werfen. Das war hart, und das hat mir von den Elementen eigentlich auch am meisten Eindruck gemacht. Die Wärme empfand ich als ok. Zu Beginn der Radstrecke gab es noch mehr oder weniger grössere Grüppchen, nach dem Wendepunkt jedoch zerschlugen sich diese, und ich fuhr mehr oder weniger alleine -- was auch gut und schön ist. So konnte ich mich wirklich auch auf mich konzentrieren.

Wie war der zweite Wechsel?

Beim zweiten Wechsel nahm ich wiederum mehr Zeit als andere. Super waren wie auf der ganzen Strecke die Volunteers, welche dich im Wechselzelt schon fast umzogen und sich wirklich super um dich kümmern! Du merkst, dass Du sehr gut aufgehoben bist und alle Freude haben, Teil dieses Events zu sein, mag ihr Job auch noch so einfach sein.

Die Laufstrecke wie hast du die Erfahren?

Das Laufen war ein Auf und Ab, die ersten 6km ganz gut, dann bis rund 10km etwas ein Hänger, dann bis hinaus zum Energy Lab wieder ok. Das Energy Lab selber ist wirklich hart, vor allem der Weg zurück hinauf auf den Highway. Da hatte ich die zweite Krise. Von da an lief ich die restlichen 9 Meilen einfach nur noch von Meile zu Meile, und wollte jeweils so schnell wie möglich wieder bei der nächsten Meile sein. So fand ich wieder einen guten Rhythmus. Ich musste mehr beissen als in Zürich, sicher auch weil die Geraden viel länger sind und du dir so etwas langsamer vorkommst, das Tempo nicht so spürst, und die Steigungen sind doch auch nicht ganz ohne...

Der Finish - das ultimative Glücksgefühl…Erzähl uns davon!

Wie gesagt musste ich mehr kämpfen als in Zürich. So konnte ich irgendwie etwas weniger geniessen, dadurch waren die Emotionen auch nicht so stark. Aber der Moment, in welchem ich die Ziellinie überquerte, war schon toll. Ich denke, dass jeder Finish seine eigenen Eindrücke hat. Sogesehen erlebte ich den Finish in Zürich als extrem emotional, in Hawaii war es viel mehr eine grosse Erleichterung und Genugtuung nach den Strapazen.

Hast du schon Pläne für nächstes Jahr?

Ich werde mich nun dem Abschluss meines Sport-Studiums widmen. Bis Ende Januar bin ich da mal beschäftigt. Grundsätzlich möchte ich aber wettkampfmässig nicht mehr so aktiv sein, und wenn dann nur noch an kleineren Rennen. Ich möchte meine Energie in die Betreuung von Einzelathleten im Ausdauersport und die Kids vom Schwimmverein stecken und mich so vorerst mal der beruflichen Laufbahn widmen.



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